Presse

Stilvielfalt beim 19. Langenzenner Neujahrskonzert

Bochmann und das kammerorchester klanglust begeistern in der stadtkirche

In seiner Begrüßung wies KlangLust-Chef Bernd Müller auf eine für die Entwicklung des Orchesters nicht unerhebliche Neuerung hin: Erstmals durften einige Musiker aus dem Nachwuchsorchester der Jungen Fürther Streichhölzer beim Neujahrskonzert mit den Großen mitspielen und den Abend als Sprungbrett für die bevorstehende Karriere im Sinfonieorchester der Streichhölzer nutzen. Und mit dem Concerto grosso d-moll von Antonio Vivaldi als Konzertauftakt bestanden sie dann auch gleich ihre Feuertaufe.

Dieses Concerto ist geprägt vom Wechselspiel zwischen dem Tutti des Orchesters und der Concertinogruppe, die mit den Geigern Michael Bochmann und Bernd Müller, Cellistin Stefanie Waegner und Markus Simon am Cembalo exzellent besetzt war. Und hier wurde die intensive Probenarbeit von Michael Bochmann hörbar, der seit vielen Jahren dieses Neujahrskonzert mit den jungen Musikern vorbereitet und der in der Aufführung wieder vom Konzertmeisterpult aus die Einsätze gab. Blitzsaubere Intonation, perfektes Zusammenspiel, fließende Tempi, in denen die großen Spannungsbögen ausdrucksvoll musiziert werden, eine fein aufeinander abgestimmte Dynamik und Klangschönheit – das Kammerorchester KlangLust spielt unter den Fittichen des Engländers nicht erst seit diesem Neujahrsabend auf hohem Niveau.

Im Concerto d-moll für Flöte und Streicher von Carl Philipp Emanuel Bach boten der Solist und das Orchester ebenfalls eine überzeugende Leistung. Wolfgang Auer spielte den Solopart mit einem weichen, sanften Ton und brillierte in den Allegrosätzen mit prima Technik. Ein Glanzpunkt war das Andante, in dem die gesangliche Melodik dem Solisten Gelegenheit zu ausdrucksvollem Spiel bot.

Graziös getupfte Töne

Wie mit einem Atem zelebrierte er im Zusammenspiel mit dem Orchester die großen Spannungsbögen in ruhig fließendem Tempo, ein beeindruckender Ruhepunkt. Wie ein hereinbrechender Sturm folgte das Allegro di molto, auch hier eine faszinierende Wiedergabe. Und in der Badinerie aus der 2. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach als Zugabe begeisterte Auer mit graziös hingetupften Flötentönen — ein Hörgenuss.

Dann der große Sprung zum italienischen Belcanto-Meister Gioachino Rossini. Auch in seiner Streichersonate Nr. 1 G-Dur kann er den Opernkomponisten nicht verleugnen. Melodienseligkeit, unterlegt mit Pizzicati in allen Instrumentengruppen, an die Koloraturen in seinen Opern erinnernde turbulente Sechzehntelpassagen: Eine dankbare Aufgabe für die Musiker, der sie sich mit großer Spielfreude widmeten, und die beiden Kontrabässe konnten sogar solistisch glänzen.

Eine völlig neue Klangwelt erschloss sich in der Streicherserenade E-Dur op. 6 des böhmischen Komponisten Josef Suk. Wie eine Naturschilderung ohne programmatischen Titel klingt das Andante mit diversen Instrumentalsoli; ein beschwingter Tanz folgt sowie ein von den Celli zauberhaft eingeleitetes Adagio — vielleicht eine idyllische Morgenstimmung. Zum Abschluss ein burleskes Allegro giocoso, in dem der Komponist nun schon Anklänge an die Moderne des 20. Jahrhunderts hören lässt. Auch diesem musikalischen Neuland widmete sich KlangLust mit Homogenität, Klangfarbenreichtum und Spielfreude. Ein flotter Mozart-Satz als Zugabe war ein weiterer vielversprechender Einstieg ins neue Jahr.

FÜRTHER NACHRICHTEN, 04.01.2016

Alle Tale hoch erhaben: Händels „Messias“ in Langenzenn

Markus Simon und seine Chöre musizierten in der evangelischen Stadtkirche

„Messias“-Librettist Charles Jennens hat dem eigentlichen Geschehen in Bethlehem die vom Propheten Jesaia vorausgesagte Ankunft und Menschwerdung des Messias vorangestellt, dann erst folgen die Szenen mit den Hirten und den Engeln. Chorleiter Markus Simon hob nun in seiner Interpretation die großen Melodiebögen mit breit fließenden, aber nie schleppenden Tempi hervor.

Jeder Ton, jede musikalische Phrase wird ausgekostet mit tiefem Ausdruck und voller Dynamik. Dies gilt sowohl für die Chorsätze „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn“ und „Sein Joch ist sanft“, der als Schlusschor des ersten Teils zelebriert wird, als auch für die Rezitative und Arien der Solisten. Auf die einleitende Sinfonia des Orchesters folgt andächtig fließend das Tenorrezitativ „Tröstet mein Volk“, und auch in der Altarie „O du, die Wonne verkündet in Zion“ hebt Simon in leicht bewegtem Tempo die großen melodischen Bögen eindrucksvoll hervor. Und hier schließt sich nahtlos der gleichnamige Chorsatz in höherer Lage und doch wie auf einem Atem an.

Mit Klangfülle und exakten Koloraturen wartet der Chor auf, mit Schwung und Emphase in „Denn es ist uns ein Kind geboren“. Matthias Kreißelmeier überzeugt bereits mit dem einleitenden Rezitativ, dem die mit perfekten Koloraturen vorgetragene Arie „Alle Tale macht hoch erhaben“ folgt. Mit Stimmgewalt und dramatischer Gestaltung, aber auch einem Höchstmaß an Ausdruck gestaltet Simon die Basspartie, und auch die Tempowechsel ohne Dirigent werden exakt gemeistert.

Stimmen-Kontraste

Mit Diana Fischer (Sopran) und Ruth Volpert (Alt) stellten sich zwei junge Sängerinnen erstmals in Langenzenn vor. Fischer mit glasklaren Koloraturen und bestechenden Spitzentönen, Volpert mit einem in der Tiefe dunkel gerundeten Timbre. Ein Höhepunkt ist das Duett „Er weidet seine Herde“, in dem die beiden Sängerinnen mit ihren kontrastierenden Stimmen einander schön ergänzen. Hier und auch in der Sinfonia Pastorale hat das Fürther Kammerorchester KlangLust seine großen Momente; Bernd Müllers Ensemble begleitet Chor und Solisten im Gesamten einfühlsam und mitgestaltend.

Weil das dreiteilige Oratorium mit annähernd drei Stunden doch sehr lang, der Weihnachtsteil allein jedoch im Konzertrahmen etwas kurz ist, fügte Simon Auszüge aus dem zweiten und dritten Teil hinzu. Das berühmte „Halleluja“ fügt sich auch textlich mit seinem Lobpreis Gottes nahtlos ein, was auch für den Schlusschor „Würdig ist das Lamm“ gilt. Und mit der Bravourarie „Sie schallt, die Posaun“ hatte sich Simon eine auf seine Stimme zugeschnittene Arie ausgewählt, im Duett mit der Solotrompete ein Glanzlicht dieser Aufführung.

Und dann kam der spektakuläre Clou des Abends: Gleichsam als Zugabe verteilte sich der Chor im gesamten Kirchenschiff und entfachte, wie einst zu Gabrielis Zeiten im Markusdom in Venedig, Dolby-Surround-Klangmeerwogen mit dem nochmals gegebenen „Halleluja“.

FÜRTHER NACHRICHTEN, 23.12.2015

DER ZAUBER MUSIKALISCHER GLANZLICHTER

Strahlende Werke und eine Uraufführung mit Fürther Handschrift überzeugten vollauf

Elgar, Britten und letztlich auch Händel gaben dem Abend mit ihren Werken einen überwiegend britischen Touch. Das 1739 entstandene Concerto grosso F-Dur von Händel atmet barockes Selbstbewusstsein und bot dem immer präsenten Orchester die Möglichkeit, seine Fähigkeit zu stilsicherer Interpretation und Klanggestaltung bereits bei diesem Stück zu beweisen.
Auch bei den folgenden Werken zeitgenössischer Komponisten konnten die jungen Musiker unter der instrumentalen Leitung von Bernd Müller die große Bandbreite ihres Könnens zeigen. (…)
Brittens zu Recht beliebte spritzig-witzige „Simple Symphony“ ist alles andere als „simpel“. Sie sprüht vor hinreißenden Einfällen (…). Vom Orchester verlangt das gesamte Werk äußerste Konzentration (…) und zudem musikalisches Einfühlen, was den sichtlich engagierten jungen Musikern jeweils glänzend gelang.

FÜRTHER NACHRICHTEN, 4.11.2010

KLANGLUST! MACHTE VIEL HÖR-FREUDE

Kulturtage-Konzert: Streichensemble überzeugte mit viel Gefühl beim Musizieren

HERZOGENAURACH – Energiegeladen und einfühlsam. Mächtig und schwelgerisch. Mit dieser Mischung überzeugte das Konzert des Streichensembles KlangLust! am vergangenen Samstag in der evangelischen Kirche.

Während Konzertmeister Bernd Müller seinen Bogen auf der Saite nach unten reißt, springt er nach oben. Kurze Zeit ist er in der Luft. Dann spielt er den Ton locker leicht (…) dem Ensemble zu und lässt seinen Bogen auf der Geige springen. Mitglied im Ensemble KlangLust! zu sein, heißt die Musik nicht nur zu spielen, sondern auch zu spüren.
(…)Zuerst erfüllte der barocke, voluminöse Klang von Georg Friedrich Händels Concerto Grosso die Kirche. Danach folgte Joseph Haydn mit dem Cellokonzert in C-Dur. Dabei merkte man die Erfahrung, die die 15 Musiker mit ihren Instrumenten hatten.
Der Solist Benjamin Kolb meisterte auch die Stellen ohne Begleitung des Orchesters mit Bravour.
Der zweite Teil des Abends gehörte den englischen Komponisten. Die bekannte Streicherserenade in e-Moll von Edward Elgar machte den Anfang. Die „Simple Symphony“ von Benjamin Britten verlangte dem Ensemble einiges ab. Da der zweite Satz aus einem reinen Pizzicato bestand, war Fingerspitzengefühl gefragt. Mit ihrem Fortissimo im nächsten Satz erzeugte KlangLust! einen Klang, der die ganze Kirche zum Beben brachte.
Der letzte Ton schwingt in der Kirche nach. Die 80 Personen im Publikum trauen sich nicht, sich zu bewegen. Gespannte Stille liegt in der Luft. Erst dann bricht tosender Applaus los. Zwei Zugaben musste KlangLust! noch spielen. Die Dritte folgt bei einem ihrer nächsten Konzerte.

NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, 14.11.2010